Diary

Ronda.

15.11.2016 von Henrice Senf

Mosaikbänke, Pflanzen, Gemälde und Fotos der adeligen Familie Granadinos, der das Stadtpalais einst gehörte, zieren den andalusischen Innenhof. Die Familie vererbte das Haus an den Salesianerorden, der von Don Bosco, einem Priester und Lehrer, gegründet wurde. Ursprünglich sollte es als Unterkunft für kranke und alte Ordenspriester dienen, heute ist es ein Museum. Durch das Wohnhaus, das noch einige Antiquitäten und einen schönen Wintergarten besitzt, gelangt man auf die Terrasse. 

Hier nicht zu Schwärmen fällt schwer. Der Garten mit Springbrunnen und der atemberaubende Blick über die Landschaft fordern unweigerlich dazu auf zu verweilen und das Leben zu feiern. Zu diesem Ort werde ich auf immer ein wundervolles Bild im Kopf behalten.  

Wir gehen zum Tempel der Stierkampfkunst-die Plaza de Torros, die seit dem 18. Jahrhundert besteht und als eine der ältesten Spaniens gilt. In der Nähe hängen die Gärten "de blas Infante" quasi am Abgrund. Die Aussicht ist unbeschreiblich. Ein Rundweg, der sogenannte Parque Alameda del Tajo, führt an der Schlucht entlang. Auch Rainer Maria Rilke und Ernest Hemingway wussten um die Faszination und Inspiration von Ronda. Ein Ort zum Romane schreiben. 

James Joyce machte Ronda im Ulysses (1914–1921) zu einem Teil der Erinnerungen Molly Blooms:

“[…] and those handsome Moors all in white and turbens like kings asking you to sit down in their little bit of a shop and Ronda with the old windows or the posadas glancing eyes a lattice hid for her lover to kiss the iron and the wineshops half open at night and the castanets and the night we missed the boat at Algeciras the watchman going about serene with his lamp and O that awful deepdown torrent”

„[…] und die hübschen Mauren alle ganz in weiß und mit Turbanen wie Könige wie sie einen baten man soll doch Platz nehmen in ihren winzig kleinen Lädchen und Ronda mit den alten Fenstern der posadas hinterm Gitter zweier Augen Glanz für ihren Liebhaber dass er das Eisen küsst und die Weinhandlungen die immer halb offen hatten nachts und die Kastagnetten und an dem Abend wo wir das Fährschiff in Algeciras verpasst hatten der Wächter wie er so heiter und alles in Ordnung herumging mit seiner Laterne und oh der reißend tiefe Strom […]“


15 Kilometer entfernt von Ronda tut sich ein weiteres Wunder auf. Das Naturdenkmal Gueva del Gato ist eine Höhle und eine Felsvertiefung, aus der das glasklare Wasser des Flusses Guadares fliesst. Die Landschaft ist traumhaft, man kommt sich vor wie im Film. Genau deshalb wird hier wohl auch gerade einer gedreht...

 
Die wilden Pferde, die weite Landschaft, der staubige harte Boden, die Weinberge, die rauen Felsen, die Frauen in Flamencokleidern und Männer in maurischen Trachten-auch das wird meine Erinnerung nähren an Andalusien im Oktober 2016. Wir sehen uns wieder. Vielleicht in 15 Jahren...
 

 

Kommentare:

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Anzahl bisheriger Kommentare: 2

Lena
web:
16.11.2016
07:50:00
Wow! Bilder und Reisebericht sind die Wucht.
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Lucie
web:
19.11.2016
22:50:00
Henrice!!! Toll, toll, toll. Was du alles erlebst.
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