Diary

Kamerun-Reisen mit Kind Part 3

24.01.2017 von Henrice Senf

Raus aus den magischen und dunklen Gemäuern, rein in das bunte Getümmel in sengender Mittagshitze. Es ist Markttag vor der gegenüberliegenden Moschee. Bedauerlicherweise kein Freitag, sonst hätten wir Zeuge einer Art Prozession des amtierenden Sultans werden können, der hier jeden Freitag mit seinen Gelehrten und Würdenträgern zur Moschee läuft. 

Wir lassen uns zur "rue des artistans" bringen, die Strasse der Kunsthandwerker. Sie ist gesäumt von eindrucksvoll bemalten Häusern. Jedes von ihnen ist voll von Schätzen, die Handwerker, Holzschnitzer und Bronzegießer hier herstellen. Die Bamoun sind berühmt und hoch gelobt für ihre Kunstfertigkeit. Besonders für die traditonelle Bronzegießerei der faszinierendsten Masken und Figuren. Mehr zu dieser Kunst und einen kleinen Film gibt es HIER.


Ich bin erschlagen ob der Fülle, der stickigen Hitze in den Hütten und der vielen rituellen Masken, die mich von allen Wänden anblicken. Und auch die Händler mit ihrem freundlichen aber andauernden Palaver strapazieren mein Gemüt. Mein Auge erspäht einige besondere Stücke und ich feilsche für unser zu Hause. Eine ganze Reihe bunter Holzmasken erstehen wir, der Muschelbesetzte Thron, auf dem sie liegen, hat es mir auch angetan. Er war früher nur Königen vorbehalten. Wir kaufen ihn auch, aber erst ein paar Tage später auf dem Markt in Douala, der ebenfalls das Handwerk aus Foumban anbietet.

Elisa bleibt fasziniert vor einem traditionellen Holzspiel, Songo genannt, stehen. Es wird auch als Bohnenspiel bezeichnet und erweist sich nicht nur zu Dekorationszwecken als gelungener Kauf. Es vertreibt ihr die langen Nachmittagsstunden, die wir bei Bekannten und Familien verbringen. Bis heute wissen wir nicht wie man das Spiel genau spielt. Elisa hat einfach ihre eigenen Regeln erfunden.

Wir entdecken auch perlenbesetzte Elefantenmasken, die immer in Verbindung zu einem König stehen. Eine hängt heute in unserem Wohnzimmer über dem Muschelthron. Manchmal sitze ich auf dem Thron, über mir die Maske und ich spaziere gedankenverloren durch den Sultan-Palast oder die Märkte in Douala. Dabei fällt mir ein, dass wir auch einen Blick in das Wohzimmer des amtierenden Sultans werfen durften. Es gleicht einer Art Säulenhalle aus Sagafilmen, gekrönt von zwei über und über mit bunten Perlen besetzten Thronsesseln. 

Eine Entdeckungsfahrt zu den vielen Fürstentümern, die in Kamerun auch noch bestehen und die als Chefferien bezeichnet werden, schaffen wir auf dieser Reise leider nicht. Sie müssen ähnlich beeindruckende Zeugnisse der Vielfalt und Geschichte Kameruns sein wie das Sultanat der Bamoun. Sie stehen auf der Liste für unsere nächste Reise. Auch der Norden des Landes bleibt uns diesmal leider verborgen. Dort liegen die herrlichen Nationalparks mit unzähligen Tierarten. Elisa war so enttäuscht, dass sie auf dieser Reise keine Giraffen gesehen hat. Da der Norden des Landes aber an Nigeria und den Tschad grenzt, ist die Gefahr von Rebellenübergriffen durch Boko Haram leider existent. Mit einer Fahrt dorthin würden wir uns einer unberechenbaren Gefahr aussetzen.

Aber wir entdecken einen weiteren faszinierenden Ort auf dieser Route im Westen des Landes. Die "Domaine de Petpenoun" in der Nähe von Foumban.

Versteckt im Hinterland und nur über einen 20 Kilometer langen unasphaltierten Weg erreichbar. Die Mitarbeiter der Lodge informieren uns am Telefon, dass wir uns sputen sollen noch vor Einbruch der Dunkelheit bei ihnen anzukommen. Die Dunkelheit kommt in Kamerun sehr plötzlich und schnell. Gegen 17 Uhr ist es stockduster und ich habe das erste Mal auf dieser Reise ein mulmiges Gefühl im Bauch. Wir fahren durchs Niemandsland, ab und an tauchen plötzlich Menschen aus dem meterhohen Gras auf, vereinzelt gibt es auch kleine Häuser und Hütten am Wegesrand. Das, was mich wirklich ängstlich macht, ist der Weg. Durch starke Regengüsse eine einzige Pharse, 20 Kilometer fühlen sich an wie 200 und wir brauchen fast 2 Stunden um die Lodge zu erreichen. Ich bin nicht zimperlich aber nach dieser katastrophalen Anfahrt hoffe ich auf eine Oase. Und die tut sich dann tatsächlich auch vor unseren Augen auf- die 200 Hektar große Farm inmitten sanfter Hügel an einem See gelegen.

Selten war mein Geist so in Einklang mit der Natur wie in diesen Tagen. Wir verlängern spontan und verbringen hier die friedvollsten Stunden unserer Reise. Ich fühle mich zu Hause. Auch Elisa ist glücklich. Nach den doch recht anstrengenden Autofahrten und Kultur-Stationen, kann sie hier ausschlafen, baden, spielen, Boot fahren und einfach Kind sein. Erst hier realisieren wir, wie gut dieses 3-Jährige Mädchen die letzten 2 Wochen mit gezogen und jede Anstrengung ohne großes Gejammer gemeistert hat. Sie ist eine wunderbare Reisebegleiterin, begeisterungsfähig, ausdauernd und neugierig.
 Aus dem ganzen Spektrum dieses Landes haben wir nur einen Teil Kameruns gesehen und ich habe hier auf amelisa auch nur einen kleinen Teil unserer persönlichen Erfahrungen nieder geschrieben. Diese Reise hat uns als Familie nachhaltig beeindruckt. Die Begegnungen mit den Menschen, die Herzlichkeit und die unglaubliche Schönheit dieses Landes genauso wie die Kontraste und Unwegsamkeiten haben Spuren hinterlassen bei uns. So tiefe, dass wir wieder kommen werden. Wie ein Kamerunisches Sprichwort sagt: "Die Wahrheit existiert jenseits der Berge, um sie zu erkennen, muss man reisen." 

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Kommentare:
Anzahl bisheriger Kommentare: 4
Lena
web:
24.01.2017
23:39:00
Interessanter Bericht und tolleFotos,meine Liebe.
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Julia
web:
07.02.2017
10:50:00
Liebe Henrice, die Bilder und deine Worte machen eure Erlebnisse lebendig. Es ist ein ganz toller und spannender Bericht.
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Dana
web:
08.02.2017
11:08:00
Mit dem 3. Teil deiner Reisebeschreibung zu Kamerun wurde für mich einmal mehr die Bedeutung eurer Reise für euch, eure Familie, deutlich. Die Worte lassen deinen Herzschlag spüren und machen deutlich, dass ihr bald zurückkehrt.
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web:
08.02.2017
15:33:00
toller Bericht, ich sehe disesn Teil Afrikas grade vor mir.............und so schöne Bilder.
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