Diary

Kamerun-Reisen mit Kind Part 2

21.08.2016 von Henrice Senf

Kamerun liegt in der  Mitte des afrikanischen Kontinents. Es trägt den Beinamen „Afrika in Miniatur“. Ein Versprechen, das sich für uns bewahrheitet. In Kamerun liegt uns die ganze Vielfalt die Afrika an Landschaften, Bevölkerung, Kultur, Flora und Fauna zu bieten hat, zu Füßen. Über 200 verschiedene Ethnien leben in Kamerun, 285 Sprachen werden gesprochen, Englisch und Französisch sind die Amtssprachen. Wir durchfahren den Regenwald, in dem die Biologie scheinbar in einem Rauschzustand lebt, reisen durch die Tropen, vorbei an üppig gesäumten Palmenstrassen, erahnen die Savanne, erleben wilde Natur in den Küstenregionen, bestaunen die Gebirge mit ihren riesigen und sanften Hügel, besuchen Dörfer tief im Grasland und tauchen in ihre Geschichten ein, sehen atemberaubendes Kunsthandwerk und folgen den Spuren einer langen Landeshistorie.  

Je näher wir unserem Ziel kommen, desto präsenter rückt auch der Mount Cameroon, der Kamerunberg, in unser Sichtfeld. Unter den Einheimischen ist er bekannt als Mount Fako, Berg der Götter. Mit 4095 Metern ist er der höchste Berg Kameruns. Und der angeblich älteste noch aktive Vulkan der Welt. Das letzte Mal spuckte er im Jahr 2000.

Eingebettet in Ölpalmen- und Kautschukplantagen und umgeben von einem dichten weißen Nebel liegt der kegelförmige Berg in der artenreichsten Region weltweit. Waldelefanten, Schimpansen, Gorillas, Antilopen haben hier ihren Lebensraum. Das Volk der Bakweri, das am Mount Cameroon zu Hause ist, hat zu diesem Berg ein besonderes Verhältnis. Früher brachten sie ihm auf dem Gipfel Tier- und auch Menschenopfer dar, wenn der Gott wütend war, soll er dichten Nebel, Feuer und Erdbeben geschickt haben. Die meiste Zeit ist er den Bewohnern seiner Berghänge aber wohl gnädig gesonnen und stoppte die heiße Lava meist kurz vor den Dörfern. So die Legende. Eine mehrtägige Bergbesteigung, die uns empfohlen wird, heben wir uns für eine nächste Reise auf, wenn unser 3-Jähriges Mädchen älter ist. Wir wählen für diese Reise die Umgebung zur Entdeckung.

Die Tage in der Küstenstadt Limbe, 70 Kilometer von Douala entfernt, sind geprägt von einmaligen Tiererlebnissen für unser Kind. Im LIMBE WILDLIFECENTER ist sie Gorillas, Schimpansen, Affen hautnah und bleibt minutenlang vor einem Gorilla stehen. 


Beide beobachten einander. Nach Minuten ohne Worte flüstert unser Mädchen: „Er will mit uns gehen. Er will nicht alleine hier bleiben.“ Die Cross-River-Gorillas gibt es nur im Grenzgebiet zwischen Kamerun und Nigeria. Sie sind vom Aussterben bedroht. Das Limbe Wildlifecenter widmet sich dem Erhalt der gefährdeten Primaten. Von den fünfzehn verschiedenen Arten sind besonders die Gorillas, Drills, Mandrills und Schimpansen faszinierend. Ihr Lebensraum hier ist in ihre natürliche Umgebung eingebettet und nur von "sanfter" Umzäunung umgeben. Sofern sie nicht im Centre geboren wurden, wurden viele der Zöglinge als Waisen eingeliefert, deren Familien von Wilderern wegen ihres "bushmeat" getötet wurden. Andere wurden zeitweilig als Haustiere gehalten und dann von ihren Besitzern im Centre abgegeben. Die meisten jedoch wurden aus Buschtaxis, die auf dem Weg zu irgendwelchen lokalen Märkten waren, konfisziert. Zwischen den Affen tauchen immer wieder Pfleger auf, die mit den Tieren sprechen, sie zählen oder füttern. Ein Mann sitzt mit Block und Stift am Rande und beobachtet das Rudelverhalten. Er erklärt Elisa wer der Anführer ist . Am meisten beeindruckt sie aber ein kleiner Affe: „Schaut mal, wie sich der Babyaffe verkehrt rum an seine Mama hängt.“ Sie amüsiert sich darüber laut lachend.



Der Hafen von Limbe ist bekannt für seinen fangfrischen Fisch. Dazu gibt es Kochbananen, eines der Hauptnahrungsmittel in Kamerun. Und eine Mahlzeit, die uns nun fast täglich begleitet. Zum Essen werden Wasserschüssel und Seife gereicht. Elisa mustert neugierig die Utensilien und kombiniert schnell: „Wir müssen uns die Hände waschen vor dem Essen.“ Als wir dann den Fisch mit den Händen auseinander nehmen und auch die Kochbananen mit den Fingern essen, so wie man das hier macht, ist sie irritiert. Sie ruft: „Ihr seid doch keine Babys. Ihr müsst mit Messer und Gabel essen!“
Unser Kind reagiert auf unserer Reise vor allem stark auf die Gerüche auf den Märkten. Ansonsten ist es überraschend, wie offen sie allem gegenüber ist und Schmutz, Lärm, Umstände einfach annimmt. Nur die Toiletten fordern ihr ab und an Mut ab. Mit einem Loch im Boden als Klo kann sie sich gar nicht anfreunden. Als sie es länger mustert, rückt ein dringendes Bedürfnis plötzlich ganz schnell nach hinten: „Ich muss doch nicht mehr“, entgegnet sie uns. In der freien Natur aber ist sie furchtlos. „Mich beisst schon keine Schlange. Mama du musst nicht immer Angst haben.“

Die Küste hat hier in Limbe etwas Raues und Wildes. Das Erste was Elisa auffällt ist der schwarze Sand, hervorgebracht durch die Vulkanerde des Kamerunbergs. „Mama, hier ist überall Matschepampe. Ganz viel. Darf ich da rein hüpfen?“Das Meer ist ihr Element, sie ist kaum raus zu bekommen und springt in die hohen Wellen.

 
Nur die Wildpferde sind ein Grund für sie zurück an Land zu kommen. Ohne eine Spur von Angst steigt sie zu einem Reiter auf das Pferd und galoppiert am Meer entlang, als hätte sie nie etwas anderes getan. Erdung und Wagemut bilden in diesen Reisetagen eine untrennbare Einheit für uns alle.
 

Am Abend sitzen wir auf der Terrasse unseres Hotels. Wir warten auf das Dunkelwerden. Die Nacht kommt plötzlich, schnell und tiefschwarz. Wir sind umgeben von einem unaufhörlichen Zirpen der Grillen, wie wir es alle noch nie so laut und dicht gehört haben. Elisa begibt sich auf Tour durch den Garten, sie sucht und findet Agamen. Riesige orangefarbene, blaugraue, grüne Geckos, die wie Chamäleons Meister der Anpassung an die Natur sind. Mit ihrer Form und Farbe wirken sie mystisch wie kleine Drach
In der afrikanischen Nacht leuchten die Sterne besonders hell. Der Himmel ist näher als anderswo und der purpurne, feurige, prächtige Kugelmond wird ab nun eine Konstante auf unserer Reise sein. Als unser kleines Mädchen sich ins Bett kuschelt flüstert sie: „Mama, wovon wirst du heute träumen? Ich träume von dem Mond und den Sternen am Meer und den Gorillas im Wald.“

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